Animal Hoarding

Animal Hoarding – Die Sucht, Tiere zu horten

Animal Hoarding kann mit Tiersammel-Sucht oder Tierhorten übersetzt werden. Es beschreibt ein Krankheitsbild, bei dem Menschen, Tiere in einer großen Anzahl halten, sie aber nicht mehr angemessen versorgen. Es fehlt an Futter, Wasser, Hygiene, Pflege und tierärztlicher Betreuung so wie an Auslauf und Zuneigung. Die Halter erkennen nicht, dass es den Tieren in ihrer Obhut schlecht geht.

Animal Hoarding wissenswertes vom Starkenbrunnen

Der aus einer Hoarder-Haltung gerettete Mops Eddy bekommt ein Bad gegen Pilze.

Woran erkenne ich Tierhorter?

Es gibt Anzeichen, die dabei helfen, dieses Krankheitsbild zu erkennen. Wenn eine der folgenden drei Kriterien erfüllt sind, handelt sich um einen beginnenden Fall von Tiersammel-Sucht: es werden mehr Tiere gehalten, als in Deutschland im Durchschnitt üblich, also mehr als etwa drei Hunde, drei bis vier Katzen, circa fünf Nager usw. auf dem vorhandenen Gelände bzw. in den vorhandenen Räumlichkeiten leben zu viele Tiere (nach Einschätzung des Amtsveterinärs auf Grundlage von Minimalanforderungen, die wissenschaftlich ermittelt und publiziert wurden) der/die Halter/in zeigt trotz überdurchschnittlich hoher Tierzahl und zu geringem Raumangebot keine Einsicht, dass der Tierbestand reduziert werden muss. In Fällen von Animal Hoarding brauchen sowohl die Tiere als auch die Menschen dringend Hilfe. Doch hierzulande ist die Krankheit noch wenig bekannt. Deshalb hat der Deutsche Tierschutzbund gemeinsam mit Amtstierärzten und Psychologen eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe gegründet, um diejenigen, die sich beruflich mit diesem Krankheitsbild auseinandersetzen müssen – wie Amtstierärzte, Tierheimmitarbeiter, Staatsanwälte, Mitarbeiter im sozialpsychologischen Dienst, – umfassend zu informieren.

Die Forschung dazu steckt zwar auch in Amerika noch in den Anfängen, es konnte jedoch eine wissenschaftliche Arbeitsgruppe, die sich mit dem Krankheitsbild des Tiersammelns auseinandersetzt, folgende “Gesetzmäßigkeiten“ herausfinden:

· Die am häufigsten betroffenen Tierarten sind Hunde und Katzen

· Drei Viertel der “Animal Hoarders“ sind Frauen

· Die Mehrzahl der betroffenen Menschen ist zwischen 40 und 50 Jahre alt

In 70% der beschriebenen Fälle waren der Boden der Wohnung mit Exkrementen der Tiere verschmutzt (in einem Viertel der Fälle war sogar das Bett des “Animal Hoarders“ mit Kot verschmutzt). In über der Hälfte der untersuchten Fälle hatte der betroffene Mensch überhaupt keine Einsicht in die Problematik, d. h. der Hoarder erkennt nicht, dass die Tiere bei ihm leiden und sieht damit die Situation überhaupt nicht als problematisch an.

Die Arbeitsgruppe klassifizierte bestimmte “Hoarder-Typen“:

Der Pflegertyp: dabei handelt es sich um einen Menschen, der anfänglich versucht, sich um die Tiere zu kümmern. Das Tier hat für den kranken Menschen einen hohen Stellenwert. Oftmals vermehren sich die Tierbestände, da keine Geschlechtertrennung stattfindet. Dem “Animal Hoarder“ wächst die Anzahl der Tiere über den Kopf und die Tiere werden nicht mehr ausreichend versorgt. Der “Animal Hoarder“ ist aber gleichzeitig nicht fähig, sein Problem zu kommunizieren und zu lösen. Dieser “Hoarder-Typ“ leugnet das Problem aber nicht vollständig und hat eine gewisse Einsicht in die Problematik. Dieser Mensch ist oftmals sozial isoliert.

Der Rettertyp: es handelt sich hierbei vor allem um einen Menschen, der die Aufnahme von Tieren als seine Mission und Berufung ansieht. Oftmals kennzeichnet diesen Krankheitstypen eine extreme Todesangst und infolge der eigenen Angst vor dem Tod lehnt er auch die Euthanasie selbst von unheilbar kranken und schwer leidenden Tieren strikt ab. Tiere werden vor allem aktiv gesammelt. Der krankhafte Tiersammler ist überzeugt, dass es die Tiere ausschließlich bei ihm gut haben. Jede Einsicht in die Problematik fehlt. Autoritäten werden gemieden und Weisungen nicht befolgt. Diese Menschen sind nicht unbedingt sozial isoliert. Sie führen nicht selten sogar ein ganz normales gesellschaftliches Leben, können sogar Geschäftsleute sein und im öffentlichen Leben stehen.

Der Ausbeutertyp: Hier wird das Tier ausschließlich aus eigennützigen Zwecken angeschafft. Dieser Typ ist extrem narzisstisch, hat keinerlei Schuldbewusststein und sammelt Tiere vorwiegend aktiv. Durch sein selbstbewusstes und durchaus eloquentes Auftreten ist er fähig, auch Behörden etc. etwas “vorspielen“.

Der Züchtertyp: Die Tiere sollten ursprünglich zum Zweck der Ausstellung und Verkaufs gezüchtet werden, aber der Überblick über die sich vermehrenden Tierbestände geht verloren.

Außerdem gibt es noch Zwischenformen der beschriebenen Typen.

Bei dieser Krankheit ist auffällig, dass es gewisse Regelmäßigkeiten gibt. Deshalb ist die oben dargestellte Einteilung in “Hoarder Typen“ möglich. Darüber hinaus gibt es Regelmäßigkeiten in der Sprache (Rechtfertigungs- und Entschuldigungsstrategien), die die erkrankten Menschen verwenden.

Auch wenn bisher noch wenig über die Krankheit bekannt ist, ist sich die amerikanische Arbeitsgruppe einig, dass die Rückfallquote ohne eine individuell angepasste psychologische Langzeittherapie bei nahezu 100% liegt. Es ist ein bekanntes Phänomen, dass diese Menschen nach Beschlagnahmung der Tiere oftmals ihren Wohnsitz unverzüglich wechseln und innerhalb nur weniger Tage wieder anfangen, Tiere zu horten. Es ist eine wichtige Aufgabe des Tierschutzes, über die bei vielen Behörden völlig unbekannte Krankheit zu informieren.